Interview mit der Autorin Susann Remke

Interview mit der Autorin Susann Remke

1. Susann, Du bist in Nürnberg geboren, aber lebst mit Mann und Kind in New York – eine aufregende Stadt, die niemals schläft, wie man so schön sagt. Bist Du dadurch auf die Idee zu Deinem Debütroman „New York für Anfängerinnen“ gekommen?! Könntest Du uns ein bisschen darüber erzählen?

Mich hat es beruflich nach New York verschlagen, und als Journalistin bekommt man hier täglich spannende Einblicke in die Kunst-, Mode- oder Hamptons-Szene. Eine Grundregel, die alle Schreibpäpste predigen, lautet: „Write what you know“. Also: Schreib über das, worin du dich auskennst. Deshalb lag es einfach nah, meinen Roman in New York spielen zu lassen. Allerdings werde ich jetzt immer gefragt, wie autobiografisch das Buch denn sei? Da muss ich leider enttäuschen. Den einzigen Charakter, der tatsächlich ziemlich offensichtlich auf einer realen Person beruhte und im Buch nicht wirklich gut wegkam, habe ich in der 2. oder 3. Fassung gekillt. Und McNachbar ist pure Fantasie. Viele Orte und kleinere Szenen habe ich allerdings tatsächlich so oder so ähnlich erlebt. Das ABC Kitchen ist zum Beispiel mein absolutes Lieblingsrestaurant, und die Sache mit dem Führerschein hat sich wirklich ziemlich genau so abgespielt.

2. Wie würdest Du New York für Dich beschreiben – mit drei kleinen Worten – und war es Liebe auf den ersten Blick für Dich oder eher auf den zweiten Blick?

Laut, spannend, einzigartig. Ich glaube, was New York anbetrifft gibt es nur Liebe – oder Hass – auf den ersten Blick. Ich kenne bisher nur Leute, die nach ihrem ersten Besuch entweder sofort hier leben möchten oder nie mehr nach New York zurück wollen. Die Stadt polarisiert einfach extrem.

3. Dein liebster Platz in New York ist? Und was würdest Du jedem raten, der zum allerersten Mal nach New York reist – so wie ich und sicherlich auch der ein oder andere unter uns – wo sollte man zu aller erst hingehen und was muss man unbedingt gesehen und gegessen haben, was es in Deutschland oder anderswo, vielleicht nicht so gibt oder nicht lecker ist?

Mein Lieblingsort in New York ist der Central Park in Manhattan oder der Prospect Park in Brooklyn, wenn die Metropolitan Opera oder die New York Philharmonics immer im Juni/Juli ihre kostenlosen Open Air Konzerte geben. Da picknicken dann tausende von Menschen auf dem grünen Rasen, trinken Wein und hören der Musik zu während die Sonne untergeht. Zum Abschluss gibt es meist ein spektakuläres Feuerwerk.

Nachdem Besucher erst einmal die Muss-Sehenswürdigkeiten abgehakt haben, sollten sie sich einfach treiben lassen und Leute gucken. Zum Beispiel auf der High Line im Meatpacking District oder im nagelneuen Brooklyn Bridge Park. Unterwegs sollte man einfach beim nächstbesten Food Truck essen, zum Beispiel beim Dumpling Truck, wie es Zoe im Buch auch tut, oder, wenn das Heimweh zu groß wird beim Schnitzel Truck. Neben einem richtigen Burger (z. B. bei Moo Burger) sollte jeder Tourist ein ordentliches Steak (z.B. im Standard Grill) und einen Lobster / eine Lobster Roll (z.B. beim Red Hook Lobster Truck) gegessen haben. Eine Liste mit Zoe’s New York Schauplätzen ist übrigens auf  http://www.NewYorkfuerAnfaengerinnen.de  zu finden.

4. Wenn Du Dich selbst einschätzen müsstest, mit welchen 4 Charaktereigenschaften würdest Du Dich beschreiben und welche würdest Du dir wünschen (nenne mir bitte mindestens 2)?!

Mein Sohn (9) sagt, ich sei „toll“, „witzig“, „sportlich“ und „streng“. Ich würde mal optimistisch, loyal, ehrgeizig und extrem gut organisiert anfügen. Wünschen würde ich mir mehr Ausdauer (dann würde ich im wahrsten Sinn des Wortes auch mal den New York Marathon wagen). Mein Sohn wünscht sich „mehr Geduld“ von mir.

5. Wenn Du schreibst, gibt es da einen festen Platz (wie Deinen Schreibtisch), den Du bevorzugst oder kann es auch schon mal ganz bequem auf der Couch oder sogar klischeehaft in einem Café oder im Central Park sein?

Da ich den Roman neben meinem regulären Job geschrieben habe, in dem ich nicht gerade unterbeschäftigt bin, ist „New York für Anfängerinnen“ an Wochenenden, im Urlaub und während eines sechswöchigen Sommer-Sabbaticals entstanden. Will heißen: Ich hatte nicht den Luxus eines festen Platzes oder Lieblingsortes. Ich habe in Flugzeugen, Esszimmern, Hängematten, auf Pool-Liegen oder im Bett geschrieben. Hauptsache, es war ruhig und ich hatte genug Kaffee.

6. Wenn Du schreibst, brauchst Du da für Dich absolute Ruhe oder hörst Du dabei gerne Musik, wenn ja, was liefen für Songs, wenn Du an „New York für Anfängerinnen“ geschrieben hast?

Ruhe. Siehe oben.

7. Was hilft Dir gegen Schreibblockaden?

Ich hatte nie den Luxus, mir eine Schreibblockade leisten zu können. In diesem Sinne bin ich wahrscheinlich die ideale Buchautorin. Als Journalistin habe ich noch nie eine Deadline verpasst, und auch als Buchautorin kann ich mich immer zum Schreiben zwingen, wenn’s denn sein muss (auch wenn das nicht gerade der Idealzustand ist).

8. Gibt es ein Buch, bei dem Du sagst, das sollte mindestens jeder gelesen haben?

Ich glaube nicht, dass es DAS eine Buch gibt, das man gelesen haben muss. Ich glaube aber, dass es für Jede(n) dieses eine Buch geben sollte, das sie/ihn zum lebenlangen Lesen verführt. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, was es bei mir war. Ich fürchte, es könnte Hanni & Nanni gewesen sein … 😉

9. Was mich noch brennend – und die Leser wahrscheinlich auch – interessieren würde, wenn ich mal so fragen darf: Wird es einen 2. Teil zu „New York für Anfängerinnen“ geben? Wenn ja, kannst Du uns vielleicht auch schon einen möglichen Erscheinungstermin nennen?

Ja, mit dem Ende habe ich mir echt etwas eingehandelt. Meine Lektorin warnte noch: „Susann, Dir ist schon klar, dass Du mit diesem Ende 5000 wütende Lesermails bekommst?!“ 5000 sind es Gott sei Dank nicht, und ich kann mit meinem Ende nicht nur gut leben. Ich finde es sogar richtig gut, dass es für Diskussion sorgt. Wäre ja sonst langweilig, oder?
Zurück zu Deiner Frage: Wenn es genug Nachfrage gibt, könnte es durchaus einen zweiten Teil geben…

10. Was wünschst Du Dir für das Jahr 2014?

Mehr Zeit zum Schreiben.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Susann, dass sie sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Vielen Dank, liebe Susann! ❤

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